Die Nacht des Blutmondes

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Die Nacht des Blutmondes

Postby Mania » Sun Jul 04, 2010 10:12 pm

Sie hatte Coskun angewiesen, sich zurück zu ziehen, während sie in einer verschlungenen Höhle unter einem Vulkan bei sengender Hitze das Blut zu einem hoffentlich perfekten Pentagramm ausleerte. Die Hitze sorgte dafür, dass das Blut sofort gerann, alsbald es den Boden berührte, was umso mehr Geschick erforderte. Als sie die letzte Spitze fertig gezogen hatte, machte sie sich daran, den Ring zu formen. Das Pentagramm hatte mehr eine braune als blutrote Farbe, doch durch sowas liess sich nur ein Laie ablenken und irreführen. Sicherlich, blutrot war die Farbe Illyras, doch es war das Blut, nicht das Rot, was ihre Gottheit so sehr liebte. Leise murmelte sie dabei Illyras Andachtsgebet:

„Dir Herrin dienen wir, dich Herrin achten wir,
unser Triumph sei deine Opfergabe, unser Versagen von dir hart bestraft.
In uns tragen wir dein Geschenk, es ist Leben es ist Kraft.
Es leitet uns auf deinen Wegen, wer von ihnen weicht oder sich ihnen verwehrt,
soll von uns zurückgeführt mit aller Macht oder vernichtet ohne Gnade.
Kein Blut soll sinnlos fliessen, immer soll mit aller Macht das Blut zu deinen Ehren bereitet.
Der Kodex muss immer gewahrt werden.
In Illyras Namen.“


Sie senkte den Blick als sie die letzten Tropfen nutzte um den Kreis zu schliessen und betrachtete das Pentagramm. Den Schweiss von der Stirne wischend nickte sie zufrieden und dachte über den Ort nach, den sie ausgesucht hatte. Finden würde sie hier niemand, und suchen, schon gar nicht. Kein normaler Mensch würde sich freiwillig hierher wagen. Gemächlich drehte sie sich dem Ausgang der Höhle zu und rief Coskun zu sich. Er hatte sich auf der Insel umgesehen, aber wenn auch kein Mensch, so würde er selbst in entlegenster Stelle ihre Stimme hören. Der Blutmond würde bald im Zenit über der Höhle stehen und sein Licht würde die Mitte des Pentagramms erleuchten.
Ihre schmuddelige Robe bei Seite legend griff sie nach einem sehr sorgfältig gefalteten Bündel und schnürte es auf. Immer wieder erstaunte und verzauberte sie der Anblick der Andachtsrobe. Nur einmal im Jahr war es einem Diener erlaubt, sie zu tragen, um den Kodex zur Herrin zu erneuern und ihr ewige Treue zu schwören. Die seidene, rote Robe war leichter als eine Feder und feiner als ein Spinnennetz, sie war nicht als Bekleidung gedacht sondern diente als Beweis der Beherrschung. Während der Zeremonie öffnete man die Zentren des Blutflusses, an jenen Stellen hatte die Robe feine Einschnitte, doch war man durch die Ektase zu unbeherrscht, würde man die Robe mit Sicherheit verletzen. Die Öle, die verbrannt wurden, die Chants, welche auf den Lippen bebten, erfüllten und erhoben den Geist zu höheren Sphären. Nie war man der Herrin näher, als bei dieser Zeremonie. Manche wurden so beflügelt, dass sie zu tief in ihr Fleisch schnitten und verbluteten, doch sie hatten es nicht besser verdient, sie waren nicht würdig gewesen, das Ritual zu vollziehen.
Als Coskun eintraf, hatte sie seine Robe bereits hingelegt und war gerade dabei, die Öle in die Schalen zu giessen, die über den Feuern standen. Der Mond war nahe dem Zenit und Mania hatte bereits den Kodex auf ihren Lippen und ihre Gedanken drehten sich um nichts mehr als um Illyra. Sie bekam kaum mehr mit, dass Coskun sich zu ihr in das Pergament trat, ohne dabei auf die Linien zu stehen. Sie fragte sich noch, wie er wohl den Geruch aushalten konnte, zumal man den Tag fasten musste. Doch kaum traf das Licht des Mondes die Mitte, begannen ihre Lippen den Kodex zu sprechen:


„Illyra zu dienen heisst nicht Blut zu vergiessen
Blut vergiessen kann jeder.
Illyras Diener bringen nicht einfach das Blut in Wallung,
das Blut in Wallung zu bringen kann jeder.
Illyra zu dienen heisst nicht Blut zu beruhigen,
Blut zur Ruhe zu bringen kann jeder.
Illyra zu dienen heisst nicht einfach Blut zum stocken zu bringen
Blut zum stocken bringen kann jeder
Jeder schafft es, dass Blut in den Adern gefriert
Der wahre Diener kann alles zusammen,
kann damit spielen und beherrscht das Blut des Gegners bis zur Perfektion.
Denn nur wahrlich beherrschtes Blut ist es wert ihr geopfert zu werden,
nur dann wird es ihr zu Ehren vergossen und fliesst in ihre Hände.“


Die Öle erfüllten den Raum und vernebelten ihre Sinne, als sie schwor den Kodex in Ehren zu halten und sich immer daran zu halten. Dann hob sie den Dolch und legte die Spitze an den ersten Flusspunkt an ihrer Schulter, sie wusste dass sie sich nicht mehr an vieles Erinnern können würde was nun geschah, doch hoffte sie inbrünstig, dass sie auch heute die Beherrschung nicht verlor.
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Postby Coskun Cebrail » Mon Jul 05, 2010 10:09 pm

Ich stehe neben ihr, habe meine Robe bereits angezogen und bereite mich innerlich vor. Es ist nicht das erste mal, dass ich dieses Fest mit ihr zelebriert habe, aber es hat jedes mal meine ganze Willensstärke gekostet, um nicht wie ein Neugeborener wild um mich zu schnappen. Verführt mich der Duft ihrer Haut und ihres Blutes, das Schlagen ihres Herzens sonst sanft und spielerisch, so ist es in der Nacht des Blutmondes wie ein Ziehen, ein Zerren an meiner Selbstbeherrschung und meinem Verstand. Anfangs habe ich mir stets gesagt, es läge an dem Fastentag, aber ich habe mir eingestehen müssen, dass dies nicht stimmt. Sobald ich in den Kreis trete, scheint alles noch deutlicher, verlockender als sonst. Das Blut der beiden Kinder steigt mir in die Nase, die ich letzte Nacht gejagt habe, damit ihr Blut Manias Ritual perfekt macht. Ich zwinge mich dazu, nicht einzuatmen, nicht zu schnuppern, etwas, was mir völlig wieder die Natur geht. Der Duft, der von Mania und dem Blut auf dem Boden ausgeht, ist sehr stark. Kommt noch das Blut aus ihren Adern hinzu, tobt das Tier in mir. Nur nicht einatmen.

Ich denke an mein erstes Ritual, damals, ohne Mania. Ich habe meiner Meisterin damals mein zweites Opfer dargeboten: einen Händler. Ich habe ihn überwältigt, zu dem Findling gebracht, den rötlichen Vollmond wie ein Mondkalb angestarrt und dann langsam mit meinen Messer die Arme und Beine des Mannes geöffnet. Ich war damals noch ein Mensch, wusste nichts von den Ritualen des Blutmondes, aber dennoch hatte ich das Bedürfnis, meiner Meisterin Blut zu opfern. Ich nässte mir im ersten Moment fast ein, als der Mann die Augen öffnete, sich aufrichtete und seine blutenden Hände anstarrte. Er schrie nicht. Das übernahm ich, bevor ich ihn ansprang und ihm panisch immer wieder mein Messer bis zum Heft in den Brustkorb rammte. Dieses dumpfe Geräusch... ein Schauder durchläuft meinen Körper. Nicht atmen, Coskun. Ich flüchte mich wieder in die Erinnerung, nehme den Schmerz, den ich mir zufüge, nur am Rande war, merke, wie meine Vitae den Korper langsam verlässt... Anschließend ritze ich mir selbst die Haut auf, schnitt kleine Runen in meine Arme. Ich hatte versagt. Der Mann war nicht ausgeblutet, ich hatte seinen Lebensfaden zu hastig durchtrennt.
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Postby Illyra » Mon Jul 05, 2010 11:09 pm

Sie saß regungslos und mit geschlossenen Augen auf ihrem schwarzen Thron, ließ ihre schmalen, weissen Finger behutsam über den glatten, kalten Stein der Armlehnen gleiten. Sie schnurrte leise, als sie ein erneuter Schauer durchlief. Sie liebte die Nacht des Blutmondes, die Nacht, in der ihre Diener ihr Band zu ihrer Meisterin festigten, die Nacht, in der sie ihr die Wahl ließen, ob sie das Band erneuern oder ihr Leben für ihre Herrin geben würden. Aus dem leisen raunen des Kodex kristallisierte sich eine Stimme besonders heraus, die Stimme einer Dienerin, die ihr aus vielerlei Gründen besonders im Gedächtnis geblieben war. Zum einen war sie ihr am längsten treu ergeben, wenn auch mit mehr oder weniger kurzen Unterbrechungen... Sie kicherte leise und ihre glockenhelle Stimme hing für einen Moment im Raum. Ein anderer Grund war weniger erheiternd: sie war zwar die Dienerin mit dem meisten Talent, aber sie verlangte auch die meiste Aufmerksamkeit. Aus einer Laune heraus beschloß sie, Mania in diesem Blutmond an ihre Grenzen zu treiben und ein weiteres Mal ihre Loyalität zu testen. In diesem Leben hatte sie das noch nicht getan. Sie schmunzelte leicht, als sie sich geschmeidig erhob und mit einem sanften Hauch dem Blut ihren Willen aufzwang...

Mit einem leisen Lachen verstärkte sie Manias Erregung, ihre Verzückung, ihre Ekstase, während gleichzeitig die zähe Vitae, die den Körper des Vampirs an den Wunden verlässt, zu Ketten verhärtet und ihn bindet, ihn fesselt und am Ort bindet. Durch einen Schleier von Blut spricht sie leise zu ihrer Dienerin, fordert von ihr einen Beweis für ihren Glaube, ihre Inbrunst. Ein letzter Beweis, fünf Schritte zum Abgrund, nur vom Glauben getragen. Zuletzt haucht sie Mania einen Kuss auf ihre schweissnasse Stirn, ein blutiger Abdruck ihrer sinnlichen Lippen bleibt zurück. Dann steigert sie die Ekstase, treibt ihre Priesterin an ihre Grenze... zum ersten Mal in diesem Leben...
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Re: Die Nacht des Blutmondes

Postby Mania » Mon Jul 05, 2010 11:29 pm


Wieder zu sich kommend war ihr sofort bewusst, dass es kein gewöhnliches Blutmondritual gewesen war. Sie spürte die heisse Stelle auf ihrer Stirne und wusste, dass Illyra sie herausgefordert hatte, sich ihr zu beweisen. Coskun drückte sein Handgelenk gegen ihre Lippen und langsam fing ihr Körper an sich zu erholen. Die Wunden waren nicht allzu tief und bereits verbunden, er hatte sich also schon einige Zeit um sie gekümmert. Bald würde die Sonne aufgehen, er musste sich also Schutz suchen. Mit frisch gewonnener Kraft drückte sie seinen Arm von ihr und mahnte ihn, nicht zu lange zu warten, versicherte ihm, dass es ihr gut gehe.
Gut, dachte sie sich, gut war kein Wort, das ihr Gemütszustand auch nur annähernd beschreiben konnte. Die Prüfung stand vor ihr, mehr noch, der Anfang oder das Ende eines Lebens. Wieder einen neuen Körper finden wollte sie nicht, nicht jetzt wo so vieles zu ihren Gunsten stand. Doch Illyra würde nicht barmherzig sein, würde Mania nicht alles geben und dem Kodex getreu gestalten. Hilfe durfte sie keine annehmen, also musste es noch vor Sonnenuntergang geschehen. Sorgsam streifte sie ihre Zeremonienrobe ab und ihre alte Robe an, ehe sie sich den ersten Sonnenstrahlen entgegen nach Hause machte.


Sie schloss die Eingangstüre hinter sich und begann sich im Heilerraum selbst zu versorgen und zu waschen, salbte alle Wunden peinlichst genau und ass eine Kleinigkeit, denn sie würde viel Kraft brauchen, nicht nur jene, die ihr von Coskun zur Verfügung stand. Dann stieg sie die Treppen hoch ins oberste Geschoss und suchte sich passende Kleidung heraus, passend, für die geforderte Opfergabe. Sie hatte mit Darina Glück gehabt, ihre körperlichen Makel liessen sich mit passenden Stücken gut vertuschen und ihre Augen schienen die Meisten zu verzücken. Schlimmstenfalls könnte sie auch auf ihre eigenen kleinen Tricks zurück greifen. Fertig gepudert und parfümiert ging sie in ihr Alchemielabor, um die nötigen Reagenzien zusammen zu suchen und vorzubereiten. Ihr Herz raste vor Aufregung, als sie den Beutel verschloss und die letzten Stufen wieder ins Wohnzimmer machte um das Haus zu verlassen. Ihre Nekromantenrobe und ihr Dolch hatte sie gut verpackt, sie würde sie für den ersten Teil nicht benötigen.
An den Wachen vorbei, die sie wie immer freundlich Grüssten und nach ihrem Weg fragten, ging sie zu den Runensteinen, angeblich wollte sie nahe Cove nach Kräutern suchen. Nachdem sie die Runen nachgefahren hatte und in Cove landete, drehte sie sich direkt wieder zum Stein, nachdem er seine Energie entladen hatte und reiste weiter nach Vesper. Viele Leute waren sicherlich nicht unterwegs, aber letztlich war das genau das, was sie wollte. An der Absperrung vorbei ging sie eilig Richtung Hafen und suchte ein frisch angelegtes Schiff. Ihre Haare und ihre Gesicht hatte sie verschleiert, für den möglichen Fall, dass es doch mehr Menschen hatte, als sie annahm. Wie sie vermutet hatte, sass ein etwas zwielichtiger Seemann am Pier auf einem Anlegepflock und bewachte alleine das Schiff, auf dem die freien Händler, wie sie sich nannten, noch am Schlafen waren. An seinen Bewegungen war zu erkennen, dass er wohl selber eingenickt war und an seinem Glucksen, dass er wohl ein wenig zu viel Rum getrunken hatte. Langsam doch angespannt lief sie zu ihm rüber und machte beim Gehen ein wenig Lärm, sodass er von alleine aufwachte, bevor sie vor ihm stand. Freundlich, wie Seemänner zu Frauen immer waren, stand er schnellen Schrittes vor ihr und fragte sie, wohin sie wollte, wobei seine Brust beinah schon mit ihrem Kopf kollidierte. Mit ihrem entzückendsten Lächeln hauchte sie ihm zu, dass sie lediglich nach ein wenig Gesellschaft gesucht habe. Schiff oder nicht, so ein Angebot liess sich ein frisch angekommener Seemann nicht durch die Lappen gehen, also folgte er ihr in eine etwas entlegenere Stelle. Die meisten Häuser waren bereits verlassen, da der ganze Hafen umgebaut werden sollte und so war es nicht schwer, eine abgelegene Ruine zu finden, die ausser Hörweite war. Die Begründung, dass man sie dann nicht hören würde, steigerte den Willen des Seemannes nur noch mehr.


Sie hatte selten jemanden gesehen, der sich so schnell von störender Kleidung befreien konnte und sein Blut in Wallung zu bringen war so ziemlich der leichteste Schritt. Sie hatten ein Haus mit einem kleinen Torbogen im ersten Stock gefunden, der mit ehernen Figuren verziert worden war, recht stabil, dachte sie so bei sich. Sie schmieg sich an ihn und flüsterte ihm zu, er solle sich doch in den Bogen stellen, sie wollte ihn mit ihren Seidentüchern festbinden und ihn wie einen König verwöhnen. Sabbernd wie ein Höhlenbär nach der Mahlzeit stand er da und liess sie gewähren, er war ein Kopf grösser und sie war keine offensichtliche Gefahr. Vermutlich dachte er teilweise auch, dass er noch am träumen war. Als sie sich vergewissert hatte, dass er sich nicht bewegen konnte fing sie an, ihn mit einer Feder zu verwöhnen und mit wenig gekonnten Berührungen. Bis zu dem Punkt, als sein Blutfluss und sein Herz mit blossen Ohren hörbar waren. Abrupt hielt sie inne und stand für einen Moment still vor ihm und wartete, bis ihm langsam bewusst wurde, dass etwas nicht war, wie es sein sollte. Er begann an den Tüchern zu zerren und merkte ganz verdattert, dass seine Arme beinah keine Kraft mehr hatten. Nekromantie hatte den Vorteil dass ein leichter Lebensentzug selbst geflüstert seine Wirkung nicht verfehlte und so war er auf einmal völlig wehrlos und nackt an einen Torbogen gebunden und auf einmal sehr nüchtern. Kalter Schweiss bildete sich auf seiner Stirn und er begann Mania anzuschreien, sie mit Namen zu betiteln, die sie noch nicht mal kannte oder seit Leben nicht gehört hatte. Sie kicherte verschmitzt und beruhigte ihn, es sei doch nur ein Scherz gewesen, dabei streichelte sie sanft über seine Brust und spürte, wie sein Herzschlag nach und nach ruhiger wurde. Sie wolle sich für ihn als Entschuldigung umziehen, und in ein wesentlich stoffärmeres Gewand schlüpfen. Er war zufrieden damit und blickte ihr grinsend nach, als sie in den unteren Stock verschwand. Sie lachte kalt doch so leise als möglich, als sie ihre Robe des Todes überstreifte und den Beutel an sich nahm. Leise schritt sie die Treppen hoch und flüsterte ihr In Corp Grav in seine Richtung, dann löste sie mit einem kleinen Energiestrahl die Fesseln. Der Seemann wirkte sehr verdattert und langsam schien es ihm zu unheimlich, trotz möglicher Belohnung schien es ihn nicht mehr wirklich in diesem Haus zu halten. Doch als er einen Schritt nach vorne machte, trat er in die Falle. Alles um ihn herum schien sich zu drehen, veränderte sich, und nicht wie bei einem Suff, das war wesentlich schlimmer. Festen Schrittes ging Mania die letzten Stufen hoch und hob ihre Arme. Mit tiefster Stimme, die aus dem Abyss hätte stammen können, sprach sie zu ihm: „Du bist auserwählt heute für Illyra geopfert zu werden, dein Blut wurde bereitet um ihr zu dienen, freue dich Unwürdiger, dass dein Tod eine solche Erfüllung erhält.“ Die Farben und Formen um ihn herum und die Stimme genügten, dass er aus lauter Angst an Ort und Stelle einfror und sich nicht mehr bewegen konnte. Einige Sekunden stand er in seinem Schock dort ehe er auf die Knie fiel und um Gnade flehte. Das war Manias letzter Punkt, den es zu erfüllen galt und sie machte ihn mit einem Spruch und ein paar passenden Kräutern Bewegungsunfähig. Langsam schritt sie mit ihrem Dolch zu ihm und befreite ihn von den Halluzinationen, die das Feld verursacht hatten. Er sollte bei Bewusstsein sein, ehe er es für immer verlor. Sich über ihn stellend beugte sie sich zu seiner Schulter und stiess mit dem Dolch durch den Flusspunkt, den der Arm mit dem Rumpf verband, seine Arme also mit dem Herzen. Der Schnitt war fein und das Blut spritzte nicht wirklich sondern suchte seinen weg in Stössen zur Oberfläche. Das selbe wiederholte sie schliesslich mit all seinen Flusspunkten, Beine, Arme und Beugen, überall quoll das Blut dick über die Haut, nachdem es schmerzlich seinen Weg durch sein Fleisch gesucht hatte. Mania führte nach jedem Stich den Dolch in die Höhe und liess einen Tropfen auf ihre Stirne fallen, dabei immer wieder das Andachtsgebet an Illyra sprechend. Als die Sonne langsam unter ging, schlossen sich auch seine Augen langsam, das Blut floss über den Boden und suchte sich den Weg zu Illyras Reich. Mania jedoch schnitt sich in die Hand und reckte ein letztes Mal ihre Hand den Himmel: „Sie Herrin, dir diene ich, dir folge ich, dein Wille sei mein Weg. Du hast mich geprüft und ich bin dir gefolgt. Nun lege ich mein Leben in deine Hand.“ Sie setzte den Dolch an die bereits verheilten Stellen und stiess wieder in ihr Fleisch, diesmal tiefer. „So du mein Opfer annimmst, so richte über mich, ob ich würdig bin, dir weiter zu dienen.“. Sie spürte, dass das göttliche Geschenk nun auch langsam ihren Körper verliess und hoffte innbrünstig, dass das Geschenk würdig gewesen war, ehe sie das Bewusstsein verlor.
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Postby Illyra » Sun Jul 11, 2010 4:02 pm

Geschickt und tödlich. Ja, Mania hatte nichts verlernt und schien sich in ihr neuestes Leben eingefügt zu haben. Sie erwog einen kurzen Moment, sie dennoch sterben zu lassen, nur aus einer Laune heraus. Dann durchflutete sie Manias Hingabe und Inbrunst und sie beschloß, dass Opfer anzunehmen. Ein wohliger Schauer lief ihren Rücken hinunter und sie räkelte sich zufrieden auf ihren Thron. "Lass uns ein wenig spielen", ging es ihr durch den Kopf.

Ein leises Flüstern dringt durch den Schleier der Bewusstlosigkeit und einen Nebel von Blut zu Mania. Sie spürt die Anwesenheit ihrer Göttin, als Bilder von Krieg und Tod durch ihren Geist fluten und ihr der metallische Geschmack von Blut auf der Zunge brennt.

"Sieben Tropfen Blut besiegeln einen Schwur.
Sieben Sensenhiebe durchtrennen eine Lebensfaden.
Sieben Siegel schützen das Geheimnis des Blutes.

Den ersten Tropfen findest du in altem Stein. Der Stein ist auf dem toten Körper der Drachin. Erreichen tust du ihn durch einen Tunnel im Sumpf, in dem die niederen Beinahe-Drachen leben. Das Wesen des Todes trägt das Siegel in sich."
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Die Suche nach den Sieben

Postby Mania » Wed Jul 14, 2010 12:56 am


Sie mochte eigentlich die Sümpfe, den modrigen Geruch nach Fäule und Tod, das Gefühl, dass man nie wieder lebend herausfinden wird. Aber dieser Sumpf war in einer sehr warmen Region und machte das Atmen schwer, die Kleidung unbequem und die kleinsten Bewegungen zu erschöpfenden Hochleistungen. Sicher, sie beklagte sich nicht, es gab schlimmere Gegenden um nach wesentlich unwichtigeren Dingen zu suchen, dennoch war Mania im Moment nicht gerade glücklich. Sie wischte sich den Schlamm vom Gesicht und richtete ihr Augenmerk auf den herannahenden Echsenkrieger, der gleich sein jähes Ende finden würde. Nach einem eher unfairen Kampf und ein paar Reagenzien weniger lag er vor ihren Füssen, das Leben aus ihm gewichen. Mania hatte keine Zeit, sich über den Sieg zu freuen, sie musste weiter gehen, ehe sein Verschwinden auffiel und er von einer anderen Wache ersetzt würde. Doch kaum trat sie durch die rustikale Palisade ging das Geschrei los. Vier Echsen stürzten auf sie zu, einige mit blossen Krallen, andere mit einfachen Eisenwaffen gerüstet. Mania sprang hinter die Palisade und ihre Sprüche flogen den Echsen nur so um den Kopf. Sie entzog ihnen ihre Lebenskraft, verbrannte sie und trieb sie mit Blitzen zurück auf die Ebene, aus der sie entsprungen waren. „Gute Idee für die nächste Stunde.“, dachte sie mit einem hämischen Lachen auf den Lippen, doch die Anstrengung war ihr anzusehen.


„Verfluchte Hitze!“ schwor sie gegen den Himmel in Richtung Sonne, wobei sie mit den Händen herablassend gestikulierte. Doch noch gab es keine Ruhepause, gerade als sie sich zum Eingang der Höhle machte, hörte sie, wie hinter ihr die nächste Patrouille näher kam. So gut sie konnte schlich sie sich am Felsen entlang und versteckte sich im Schatten des Höhleneingangs. Kaum ein atmen war zu hören bis die Gruppe vorbei war. Da Echsen die Tendenz hatten sich auch mal gegenseitig zu töten wegen einer Kleinigkeit, wurden die wenigen Leichen ignoriert. Glücklicherweise sahen sie das Sumpfgelände hinter der Palisade nicht, dachte sich Mania unruhig. Doch es blieb keine Zeit für Sorgen, weiter und immer weiter musste sie sich vorantreiben, sollte sie ihr Ziel erreichen wollen. Gerade als sie sich an das düstere Licht und die angenehme Kühle gewöhnt hatte, hörte sie das seltsam schrille Kreischen von Düstergnomen. Sie schloss resignierend die Augen und seufzte tief. Sie mochte die Gnome nicht sonderlich, sicherlich, sie waren wesentlich weniger organisiert als die Echsen, aber sie waren meist auch gefährlicher für Zaubernde, denn sie waren schnell und präzise.


Schritt für Schritt begann sich Mania vor zu kämpfen und langsam gewann sie an Raum, als plötzlich ein Späher aus dem Hinterhalt ihrer gewonnenen Routine ein jähes Ende bereitete. Sie eilte zurück zum Ausgang und verfluchte den Späher mit Worten und Sprüchen, bis er leblos am Boden lag und zuckte. Nach einer kurzen, kraftsammelnden Pause versuchte sie wieder weiter in die Höhle vorzudringen, doch sie musste irgendwo eine grosse Gruppe aufgescheucht haben, denn es wurden immer mehr und mehr. Niedergeschlagen und zurückgedrängt versuchte sie sich am Eingang in einer Nische zu verstecken und ihre Gedanken zu sammeln. Alleine würde sie es nicht lebend überstehen und sie hatte sich zu sehr an diesen Körper gewöhnt, als dass sie sich schon wieder einen neuen suchen wollte. Also sass sie reglos in ihrem kleinen Versteck und konzentrierte sich. In einer Stunde würde die Sonne untergehen, eine Stunde musste sie ihren Platz verteidigen. Ihre Gedanken richteten sich an Coskun, ihre Gebete, ihr Flehen. Sie wusste, er würde sie hören, wenn sie ihn wirklich brauchte und er würde sie finden. Wieder und wieder kamen die Gnome auf sie zu und wieder und wieder streckte Mania sie nieder, hoffend, dass ihre Kraft und ihre Reagenzien nicht ausgingen, ehe Coskun sie fand.
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Postby Coskun Cebrail » Wed Jul 14, 2010 2:04 am

Als ich zu mir komme, bleibe ich noch einige Herzschläge reglos liegen. Dann beginne ich vorsichtig mit meiner feinen Nase meine Umgebung wahrzunehmen. Enttäuschung steigt in mir hoch, als ich feststelle, dass sie nicht auf meinem Sarg liegt. Langsam schiebe ich den Deckel meines Sarges zur Seite und richte mich auf, die Augen noch immer geschloßen und den Kopf leicht in den Nacken gelegt, um wieder witternd meinen Keller zu erkunden. Als ich langsam die Augen öffne, glitzert über mir der Sternenhimmel aus Edelsteinen. Dann spüre ich, dass etwas mit ihr nicht in Ordnung ist. Meine Herrin braucht mich. Innerhalb eines Wimpernschlags stehe ich bei meiner Kiste, greife meine Kettenrüstung und ziehe sie mir an. Die Zwergenarbeit legt sich wie eine zweite Haut über meinen Körper und die Kühle des Verites jagt mir einen wohligen Schauer über meinen Rücken. Mit schnellen Handgriffen lege ich alles an, Kettenhose, Armteile, Handschuhe, Halsschutz und Kettenhaube. Dann nehme ich meinen Köcher und einen Rucksack für Mania und mache mich auf den Weg. Kaum habe ich die Mauern der Stadt hinter mir gelassen, gesellt sich aus dem Dunkel des Waldrandes schweigend mein bäriger Diener, Sange.

Nach kurzem zögern entscheide ich mich für Ilshenar, genauer Ilshir. Dann hetzte ich mit Sange durch den Dschungel, stolz darauf neben den Lindwürmern hier das gefährlichste Raubtier zu sein. Ich hoffe, dass ich nicht zu spät komme. Etwas in meinen Gedanken lenkt meine Schritte, führt mich in die Sümpfe. Vor den Pallisaden der Echsen sehe ich einige tote Kaltblüter. Ich komme näher, untersuche mit raschen Handgriffen und geübtem Blick die Toten und kann keine äußerlichen Verletzungen finden. Magie. Sie war hier. Ich bilde mir sogar ein, einen Hauch ihres Duftes noch in der Luft wahrzunehmen, aber das ist natürlich totaler Blödsinn. Sie muss schon vor einigen Stunden hier vorbeigekommen sein, wenn man den Zustand der Leichen bedenkt. Ich beuge mich zu Sange hinab, flüster ihm leise ins Ohr, dass er sich bedeckt halten soll. Ich will keinen Kleinkrieg anfangen, sondern lediglich meine Herrin finden. Dann schicke ich ein kurzes Stoßgebet zu unserer Meisterin. Wie zwei Schatten bewegen sich Sange und ich durch den Sumpf, immer wieder Umwege machend, um den zahlreichen Patroullien zu entgehen. Die Echsen scheinen aufgebracht, eine Patroullie ist sogar damit beschäftigt, sich gegenseitig zu zerfleischen. Ich lasse mich noch immer von meinem Gefühl leiten, tauche ein in die Kühle der Höhle.

Nach einem raschen Blick und ein paar toten Düstergnomen schließe ich meine Herrin kurz in die Arme. Ich reiche ihr einen Beutel mit Essen und neuen Kräutern und zwei Wasserschläuche. Sie sieht erschöpft und müde aus, aber ansonsten scheint sie unverletzt. Ich spare mir den Tadel, da ich zu froh darüber bin, dass es ihr gut geht.
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Postby Mania » Wed Jul 14, 2010 2:12 am


Sie wäre beinahe überrannt worden, als Coskun und Sange durch den Eingang der Höhle traten. Erleichtert atmete Mania aus und überliess den Beiden das Schlachtfeld. Er hatte an Alles gedacht, es gab also keinen Grund nach einer verdienten Pause weiter zu ziehen. Die Düstergnome waren wesentlich leichter zu handhaben, wenn ein 2 Meter grosser Bär und ein geübter Jäger vor ihr standen. Sie musste kurz Lächeln, versuchte sich aber nicht dadurch ablenken zu lassen. Es war seltsam nach so langer Zeit ein Wesen an der Seite zu haben, dem man vollends vertrauen konnte. Ihre Zauber waren nach dem Ausruhen wesentlich präziser und daher tödlicher.


Das Ende des Durchganges verlief sich auf eine Lichtung in mitten der Berge und barg einige sehr unangenehme Hexenanhänger. Sie beobachtete Sange beim Kampf, während sie den Fanatiker vor sich mit Blitzen beschoss. Seine Verbindung zur Welt der Toten machte ihn für ihre gewöhnlichen Zauber unzugänglich, noch schlimmer, sie entzogen ihr sogar Kraft, die sie für diesen Kampf wahrlich brauchte. Als alles vor ihr in Blut und Leichen getränkt war, sah sie das Wesen, weshalb sie sich hier her durchgekämpft hatte. Die Todesfee schwebte unberührt über die Leichen, sie war sich der materiellen Ebene und ihres manifestierten Körpers darin nicht wirklich bewusst, doch sie würde es bald genug werden. Coskun ging in Stellung und auch Sange schien abwartend zu ihm zu blicken, dann sprach Mania ihren ersten Angriffszauber. Sogleich stürze Sange sich auf ihre Kehle, oder was ihre Kehle zu sein schien, während Coskun sie mit Pfeilen nur so durchlöcherte. Nach und nach wurde die Todesfee schwächer und ein letzter Blitz besiegelte ihr diesseitiges Dasein. Als ihr Körperrest zu Boden glitt, hörte Mania das viel versprechende Geräusch. Es war nicht laut und nicht wirklich sonderlich, aber sie hörte es genau, denn sie hatte darauf gehofft.


Die Kiste war mit einer speziellen Inschrift verziert, ein Rätsel, dessen Lösung der Schlüssel sein sollte. Das Rätsel selbst war um die Kiste herum eingraviert und eine kleine leere Stelle war dort, wo das Lösungswort hinkommen sollte. Mit einer Handbewegung öffnete sie ein Tor nach Hause, während ihre Augen die ganze Zeit auf die leere Stelle starrten. Es war ein Wunder, dass sie nicht irgendwo im Nirgendwo herauskamen, so wenig hatte Mania sich konzerniert. Eilig warf sie ihre Sachen in eine Ecke und stellte die Kiste vorsichtig auf ihrem Arbeitstisch ab. Wieder und wieder las sie die Zeilen, wieder und wieder überlegte sie nach Worten, welche die Zeilen schliessen könnten. Nichts passte, nichts schien wirklich alle Hinweise zu erfüllen. Ihr erster Versuch scheiterte. Sie glitt, während sie ihr vermeintliches Lösungswort aussprach über die leere Stelle, kurz glühte das Wort dort auf, doch sonst regte sich nichts. Nach einiger Zeit verglühte es wieder und die Stelle war wieder kahl. Ein zweiter Versuch war genauso erfolglos, doch die Wartezeit war wesentlich länger. Mania wusste, der dritte Anlauf musste klappen, sonst würde sie Tage mit Warten verbringen. Sie legte die Schatulle bei Seite und begab sich hinab zu Coskun, sicherlich war er mittlerweile durch die Jagd hungrig geworden.


Gerade als Coskun zu trinken begann, schoss es ihr durch den Kopf, vielleicht war es die Verbindung mit ihm, die ihr Horizont erweitert hatte. Sie schmolz in seinen Armen dahin, teils wegen der Lust, die er verbreitete, teils ihrer Ungeduld wegen. Es war eine ekstatische Kombination und brachte sie beinah um den Verstand. Als er letztlich von ihr liess stieg sie kraftlos und erfüllt die Treppen hoch zu ihrem Arbeitsraum und öffnete ohne Zögern die Schatulle und entnahm ihren ersten Tropfen.
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Re: Die Nacht des Blutmondes

Postby Mania » Fri Jul 30, 2010 11:57 pm


Sie hatte gerade Coskun nach unten geschickt, als sie das Klopfen hörte. Der Messingklopfer schlug ziemlich hastig auf das Eichenbrett, und nach der Uhrzeit zu gehen, musste es ein schlimmer Notfall sein. Zumindest hoffte Mania das für den Besucher. Coskun war bereits am Gartengatter, als Mania dazu kam. Es war ein schlimmer Notfall, leider, musste Mania feststellen und als Darina war sie natürlich sehr besorgt. Die Wachen hatten vor den Toren einen Mann aufgegriffen, der scheinbar attackiert worden war. Viel Auskunft konnten ihr die Wachen allerdings nicht geben, und das bisschen, das sie von sich gaben, war doch sehr erratisch. Sie wies Coskun an, den Mann hinein auf die Behandlungstrage zu bringen und bat den Wachen eine gute Nacht, deutlich machend, dass sie nicht mehr gebraucht würden.


Wieder ein Opfer von Selbstüberschätzung, dachte sich Mania und betrachtete die Wunden. Langsam wurde sie stutzig, denn etwas an dem Mann stimmte nicht. Nach seiner Anatomie war er ganz offensichtlich ein Krieger, gewohnt eine Rüstung und ein Schwert zu tragen. Dennoch war er unter der Robe nackt. Und die Wunden sahen aus, wie von einer Buchseite, vielleicht noch feiner. Bis auf jene, auf seiner Brust, die viel tiefer schien als alle anderen. Vorsichtig tastete sie den Brustkorb ab und sah dann verwirrt zu Coskun. „Er trägt ein, ein, ein...“ und deutete dabei blass werdend auf seine Brust. Coskun war alles andere als zimperlich, als er die Wunde ein wenig erweiterte und den Gegenstand entnahm und es Mania gab. Ein gläserner Tropfen gefüllt mit einer roten Flüssigkeit lag in Manias Hand.


Es folgten seltsame Gespräche über Verlust, Hochmut und über Missgefallen, denn wie sich heraus stellte, war der Mann ein gesunkener Diener ihrer Herrin. Mania verband ihn und heilte so gut sie konnte die Wunden, dabei jedoch nicht von ihrer Schimpftirade ablassend und wies dann Coskun an, ihn raus zu begleiten, während sie mit einem leisen Gebet Illyra dankend einen weiteren Tropfen auf den Altar legte. Langsam ging sie rückwärts und schloss dann die Türen zum Altarraum, dabei die Runen wieder aktivierend, die den Raum schützten. Dann setzte sie sich hin und dachte nochmals an die Weisung Illyras, die sie an ihren nächsten Ort führen sollte.


„Das Wort führt zum nächsten Ort. Ein Ort des Glaubens auf dem Leib der toten Drachin, in der Nähe der beiden Elemente Feuer und Wasser und unweit der Festung der niederen Beinahe-Drachen.“


Ihre linke Seite schmerzte noch vom letzten Kampf mit der Todesfee, doch gerade als sie daran dachte, durchfuhr es sie wie ein Blitz. „Wasser Feuer, Echsen, aber natürlich.“, rief sie und rannte die Treppen hoch um ihre Kräuter zusammen zu packen. Sie würde alleine losziehen müssen, denn die Sonne war schon am aufgehen. Ein wenig unsicher und aufgeregt verliess sie ihr Haus und machte sich auf den Weg zu den Priestern und den Wachen Horidans. Sie verabscheute diese neunmalklugen Selbstrichter, doch hatte sie genug Verstand, sie zu fürchten. Angekommen begann sie nach und nach die Wachen hinter sich her zu locken, sie zu verwirren und im richtigen Moment anzugreifen. Die Jagd, wenn man es denn so nennen will, war anstrengend und ziemlich schmerzlich, wie sie bald feststellen musste. Die Wache hatte ihr Ziel nur knapp verfehlt und Mania dabei am Arm getroffen. Glücklicherweise war der Schlag schon fast ausgeklungen und Mania gut gerüstet, sonst hätte sie ihrem Arm wohl lebe wohl sagen können. Dennoch, als der Abend schon dämmerte, stand Mania allein mit dem Wachführer im oberen Stock und focht mit ihm wahrlich um Leben und Tod. Mania gewann. Mit müden, zittrigen Händen nahm sie ihm die kleine Kiste ab und lass wieder die Inschrift und damit ihr nächstes Rätsel.


Sie musste Schmunzeln, denn trug sie nicht gerade das bei sich? Sie gab die Runen ein und öffnete die Schachtel ohne weitere Probleme. Sie war bereits zu Hause als Coskun erwachte und sie ihm von ihrem Erfolg berichten konnte. Nochmals ging sie in den Altarraum, ihre Gebete sprechend und Illyra dankend, ehe sie sich zurück zog und sich hinlegte, müde, einschlafend noch beinah im Stehen und für den Rest des ganzen Tages im Land der Träume verweilte.


Aus dem tiefen Schlaf erwachend blinzelte sie ein paar Mal und blickte zufrieden umher. Sie hatten es schon weit geschafft und hatten bereits den Hinweis gefunden zum nächsten Ort. Sie erhob sich gemächlich und betrat ihren Arbeitsraum, wo sie die Schatulle selbst abgestellt hatte. Sie drehte sie um und lass die Inschrift auf der Unterseite:


„Auf dem Körper der toten Drachin, eine Burg auf einem Eiland im See, nicht zu erreichen mit Boot oder Brücke. Nur ein Weg führt hinab in die Tiefen der Burg, nur ein Weg führt auf die Insel. Ich hoffe, du magst die Geschöpfe der Familie meiner Schwester.“


Das wohin war nicht schwer, aber das wie. Auch hier konnte sie Coskun nicht mitnehmen, denn bei Nacht dort einzusteigen wäre fatal. Dennoch stellten sich ihre Haare auf, wenn sie an die vielen Wesen dort dachte. Die Spinnen waren wahrlich das kleinste Übel. Sie nutzte die Nacht um sich ein wenig mit Coskun abzulenken und bereitete sich bei Tagesanbruch vor. Sie würde, sollte sie es nicht schaffen, nicht leise untergehen, soviel stand schon fest. Mit einem beinah berstenden Reagenzienbeutel betrat sie die Spinnenhöhle und focht, wie lange nicht mehr. Kein Wächter des Horidan war so verbissen und gefährlich wie eine grosse Schreckensspinne, wie eine Schwarze Witwe und schon gar nicht wie er. Sie wusste nicht, wie lange sie auf die Lichtung gebraucht hatte, doch war es nach all den Kämpfen mehr ein Stolpern als ein Schreiten, welches sie auf die Insel führte.


Nach dem Stand der Sonne musste die Mittagszeit längst vorbei sein, sie hatte also viele Stunden damit verbracht, sich durch Spinnennetze zu kämpfen, dennoch war das nichts, verglichen mit dem, das nun vor ihr stand. Sie ging langsam durch die Hallen und auf den Eingang zur Hölle zu, wie sie es lieblich nannte. Schon bei den ersten Schritten hinab spürte sie, wie Tod sie umgab. Es war kein frischer Tod, es war ein modriger Gestank, der Geruch von Blut, der alles umwog und das Gefühl, dass man so schnell wie möglich fliehen sollte. Mania machte keinen Schritt, ihr Kopf musste dem Drang widerstehen und ihre Glieder zum bleiben zwingen. Dann noch ein Schritt, ein weiterer und sie sah ihn. Der Verräter, der Namenlose, richtete seine hohlen Augen in ihre Richtung und starrte sie mit inbrünstigem Hass an. Seine Schritte waren leiser als der Flügelschlag einer Motte und schneller als der Schlag der Drachenfliege, doch Mania war vorbereitet. Blitze schossen ihm entgegen, Feuerbälle und Flüche aus tiefsten Abgründen. Sie entzog ihm das bisschen Leben, das in seinen Adern floss, doch konnte sie damit nicht wirklich Schaden anrichten. Die Blitze jedoch, so sie trafen, schwächten ihn und machten ihn langsamer. Immer wieder suchte sie Schutz um sich zu sammeln, doch in der Zeit konnte er ebenso ruhen. Wieder und wieder massen sie ihre Kräfte und letztlich verbannte sie ihn dahin, wo er hergekommen war.


Sie hatte nicht viel Zeit, also trieb sie sich voran. Wächter der Finsternis standen ihr in den Weg, doch nach dem vorhergehenden Kampf waren sie ein leichtes Spiel. Letztlich fand sie bei einem Uralten Leichnam was sie gesucht hatte. Noch immer beschwingt durch ihren Sieg hastete sie nach oben und öffnete sich ein Portal, das sie nach Hause brachte. Die Kraft sich um das Rätsel zu kümmern hatte sie jedoch nicht mehr. Es waren viele Bäder, Kräuter und Salben nötig und viel Essen, bis Mania wieder wirklich bei Kräften war. Coskun war alles andere als begeistert davon, doch auch er wusste, dass das Ziel zu gross war, um nicht dafür alles zu geben. Vier Tage später lass Mania das Rätsel und weitere Vier Tage brauchte sie, um die Lösung zu verstehen. Das Rätsel selbst war nicht schwer gewesen, doch gab es keinerlei Hinweis auf das Nächste, bis sie verstand, dass die Lösung das Ziel war.


Als sie endlich dahinter gekommen war, war sie sowohl begeistert wie bestürzt, wie in aller Welt sollte sie denn das bewerkstelligen? Bis sie schliesslich merkte, dass Illyra nicht nur sie, sondern auch Darina, ihre Maske, testen wollte. Immer wieder ging sie auf und ab in ihrem Arbeitszimmer, nachdenkend, nachzählend bis sie schliesslich zufrieden war mit ihrem Plan. Es würde gehen, sofern er genug Aberglaube besass, falls nicht, würde sie andere Wege kennen. Mit einem ihrer guten Kleider machte sie sich auf den Weg gen Friedhof um dem Henker einen Besuch abzustatten. Etwas irritiert, da er doch recht selten Besuch bekam, öffnete er die Türe. Darina setzte ihr harmlosestes und freundlichstes Lächeln auf und grüsste ihn herzlich.


Es war ein langes hin und her, bis sie endlich das Vertrauen des Henkers hatte, oder zumindest ein wenig davon. Sie hatte ihm gesagt, dass er sich die Tage der Reinigung wählen kann, dass der Axt nichts passieren würde, während sie nach der ersten Untersuchung Coskun losgeschickt hatte, auf dem Schwarzmarkt einen fähigen Juwelenschleifer zu finden, der den Tropfen nachbauen könnte und auf Geheiss am letzten Tag den Tropfen in die Axt einfügen könnte. Dass der Mann nach dem Handel nicht mehr lange zu leben haben würde, musste er ja noch nicht wissen. Jeder konnte in ein Rudel Wölfe geraten, oder waren es Bären gewesen? Nun, um einen Schwarzmarkthändler wurde selten lange geweint. Es war viel Arbeit, noch mehr Geduld und noch viel mehr Selbstbeherrschung, übte die Axt eine kaum zu bändigende Anziehungskraft auf Mania aus. Was sich am längsten hingezogen hatte, war die Inschrift, denn lange hatte Mania sich davor geziert, das Blatt anzufassen, doch als sie endlich dazu bereit war, eröffnete sich durch Verschiebung der Runen das nächste Ziel. Bald war die Zeit da, bald.
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